Kuckuck 2.0

Ich sitze hier und schaue auf meinen schon sehr runden Bauch, sehe die kleinen Beulen, die hier und da kurz zu sehen sind und dann wieder verschwinden. Nie wird es aufhören, mich zu faszinieren, dass da unter dieser dünnen (naja, mitteldünnen 😉 ) Schicht aus Haut, Fett, Muskeln und Faszien ein richtiger kleiner Mensch wohnt und wächst. Mein kleines Mädchen!

Aber immer der Reihe nach: Mein letzter Blogeintrag datiert vom 28. September 2016 und befasst sich mit der verkorksten und abgebrochenen Krippen-Eingewöhnung unseres Söhnchens. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht ansatzweise vor, eine Blogpause einzulegen, im Gegenteil, ich hatte eine lange Liste an Themen und Ideen und freute mich darauf, diese nach und nach zu bearbeiten. Und dann? Was war dann los?

Dann kam die große Übelkeit. Ich stellte fest, dass ich schwanger war, und pünktlich mit der sechsten Woche ging es los: Zwar kein Erbrechen, aber von früh bis spät immer kurz davor, immer übel, immer flau und dazu auch todmüde, erschöpft, schlapp.

Schlimmer war, dass zeitgleich etwas einsetzte, was ich jetzt angelehnt an die bekannte postnatale Depression einfach mal ganz laienhaft als Schwangerschaftsdepression bezeichne. Zwar war ich bei keinem Arzt und bekam dementsprechend auch keine Diagnose gestellt, aber es fühlte sich furchtbar an und es fällt mir auch jetzt noch schwer, darüber zu schreiben. Schließlich ist so etwas ein großes Tabuthema – wer schwanger ist, hat sich gefälligst zu freuen. „Guter Hoffnung sein“, das ist zwar heutzutage ein etwas angestaubter Sprachgebrauch, aber genau dieses Gefühl der frohen, positiven Stimmung wird von Schwangeren erwartet. Und natürlich fühlen sich auch die meisten Schwangeren genau so: glücklich, erfüllt, voller Hoffnung und Vorfreude.

Nicht so ich. Ich haderte, zweifelte und hatte Angst, fühlte mich eher hoffnungslos als hoffnungsvoll. Was soll nur werden, wie soll ich das schaffen, und die größte Frage: Wie soll unser Sohn damit klar kommen? Schließlich ist er noch so klein. Er stillt noch regelmäßig und hing zu diesem Zeitpunkt noch sehr an seiner Mama. Meine großen Sorgen und Zweifel, verbunden mit dem kontinuierlichen körperlichen Unwohlsein, erstickten in diesen ersten Wochen beinahe jeden Hauch von Vorfreude. Ich war antrieblos und fühlte mich rund um die Uhr erschöpft und traurig. Dabei hatten wir ein zweites Kind gewollt! Ich war völlig überfordert vom Ansturm dieser negativen Gefühle, und auch mein Mann, der sich vom ersten Moment an über die Schwangerschaft freute, war hilflos.

Im Nachhinein denke ich doch, ich hätte mir professionelle Hilfe suchen sollen. Zwar sprach ich mit einigen nahestehenden Menschen aus Familie und Freundeskreis und das war gut und wohltuend. Aber aus dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit kam ich trotzdem lange nicht heraus. Erst als um die 15., 16. Woche eine spürbare Verbesserung der körperlichen Symptome eintrat, sah ich allmählich wieder Licht am Horizont. Mein Körper überwand die hormonelle Umstellung, und zugleich schien ich auch seelisch „hinterher zu kommen“. Allein, dass ich körperlich wieder in der Lage war, jeden Tag viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen, mich mit Freunden zu treffen und dabei nicht nur schwindelig und flau durch die Gegend zu wanken, war natürlich schon eine riesige Verbesserung. Die Übelkeit ging spürbar zurück und auch, wenn ich noch eine Weile morgens oder abends schlechtere Phasen hatte, war das doch alles gut auszuhalten und die klaren und guten Zeitspannen überwogen bei weitem. Ich fühlte mich, als würde ich aus einem schlechten Traum erwachen. Mit der Besserung kam endlich auch die Vorfreude.

Mittlerweile kann ich gar nicht mehr nachvollziehen, was mit mir los war. Aber ich habe daran gemerkt, was für eine fragile und intime Angelegenheit so eine Schwangerschaft ist. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, darüber zu schreiben, auch wenn mir das bloggen zeitweise fehlte.

Jetzt ist alles anders. Die Schwangerschaft ist schon sehr weit fortgeschritten und ich freue mich schon so darauf, meine Kleine bald endlich im Arm zu halten! Die meisten Vorbereitungen sind getroffen, unser Mädchen hat mittlerweile einen Namen und ist schon sehr präsent in unserem Alltag. Und unser Sohn hat in den letzten Monaten eine enorme Entwicklung durchgemacht. Mittlerweile lässt er sich liebend gerne von seinem Papa ins Bett bringen und schläft viele Nächte durch. Er fremdelt nicht mehr so stark und hat angefangen, zu sprechen. Es fühlt sich für mich so an, als sei auch er bereit für ein neues Familienmitglied und wir reden viel mit ihm darüber. Natürlich kann er das noch nicht so richtig verstehen, was da auf ihn und uns zukommt. Sicher wird es anfangs schwierig für ihn werden, wenn unsere Aufmerksamkeit nicht mehr ungeteilt ihm gelten kann. Aber ich habe das Gefühl, dass unsere Familienbindung jetzt so stark ist, dass wir alle miteinander das gut schaffen und davon profitieren werden. In unseren Herzen ist genug Platz für einen neuen Menschen und wir freuen uns riesig auf dieses Abenteuer.

Wie viel ich in nächster Zeit hier darüber berichten werde, weiß ich noch nicht. Neben der Geburt stehen weitere große Veränderungen an. Der Mann tritt einen neuen Job an und wir ziehen aufs Land! Leider hat es sich zeitlich so ergeben, dass wir bereits kurz nach der Geburt umziehen müssen; das ist sicher nicht optimal, aber auch nicht zu ändern. Wie viel Zeit und Energie dann zum bloggen bleibt, bleibt abzuwarten. Mein Bauchgefühl sagt mir auch, dass über Schwangerschaft und Geburt zu bloggen nach wie vor nicht so mein Ding ist – vielleicht ändert sich das ja in den nächsten Wochen noch, vielleicht auch nicht.

Aber immerhin seid ihr jetzt wieder auf dem Stand der Dinge, und falls ihr Lust habt, unseren Weg mitzuverfolgen, könnt ihr die kuckucks gerne weiterhin hier, auf instagram oder facebook im Auge behalten – ich würde mich sehr darüber freuen!

Und noch etwas: wenn ihr schwanger seid und (noch) nicht auf einer happy clappy rosaroten Wolke schwebt, dann versteckt euch nicht! Ihr seid nicht alleine mit solchen Gefühlen und sie sollten nicht tabu sein. Redet ehrlich darüber und sucht euch Hilfe, wenn es euch nicht gut geht. Und verliert nicht den Glauben daran, dass es einem bald wieder besser gehen kann, auch wenn es sich nicht so anfühlt. ❤

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2 Gedanken zu “Kuckuck 2.0

  1. Was für ein sensibles Thema; schön, dass du davon berichtest. Denn selbst mit etwas Distanz ist es ja manchmal noch schwer zu akzeptieren, dass es so ist/war. Und schön, dass ein neues Leben in dir wächst und bald zu euch kommt. Möglicherweise wird das auch noch zu der ein oder anderen turbulenten Überfoderungssitustion führen. Zumindest war es bei uns so 😉 Allerdings gedeihen bei einer Mama mit dem zweiten Kind auch wieder ganz neue und ungeahnte Fähigkeiten. Ich wünsche euch, vor allem dir, viel Kraft und viel Mut deinem Bauchgefühl zu folgen – obgleich auch immer der Wunsch besteht die Bedürfnisse der Kinder gut zu erfüllen. Alles Liebe

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