Wenn du schläfst

Wenn du abends schläfst, mein Sohn, dann freue ich mich. Es tut gut, sich frei bewegen zu können, nicht permanent gebraucht zu werden, veranwortlich zu sein. Und es gibt immer genug zu tun. Meistens erstmal im Haushalt, und dann kochen und essen wir zusammen, dein Papa und ich. Danach schauen wir fern, lesen oder hören Musik. Ich blogge, surfe, chatte oder telefoniere. Immer habe ich irgendwelche Projekte, an denen ich arbeite, aktuell zum Beispiel den Umbau deines Spielzimmers und die Vorbereitung diverser Weihnachtsgeschenke. Mir wird nie langweilig, und für jeden Abend nehme ich mir mehr vor, als ich schaffen kann. Ich genieße die Zeit, die dein Papa und ich für uns haben.

Und dann irgendwann höre ich deine Stimme über das Babyphone. Ich laufe schnell zu dir, damit du nicht richtig wach wirst. Im dunklen Zimmer sage ich dir, dass ich da bin, lege mich zu dir, lasse dich stillen. Ich lausche, wie dein Atem wieder ganz ruhig wird, spüre, wie du dich entspannst, rieche deinen Duft. Ich höre den Wind draußen, erahne den Himmel hinter den Vorhängen, und spüre die Liebe, die mein Herz ausfüllt. Ich bin ganz bei dir und gleichzeitig ganz bei mir. Eine große Ruhe ist in mir. Es ist so wunderbar, dass du da bist.

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Ich bin bei dir, wenn du schläfst. (Bild: Pixabay)

Niemals schaffe ich abends auch nur ansatzweise all das, was ich tun wollte. Manchmal stört mich das. Es kommt immer etwas zu kurz, der Haushalt oder der Kontakt zu Freunden, der Blog oder dein Vater. Meine Projekte nehmen immer etwa zehnmal so viel Zeit in Anspruch, wie veranschlagt, der Hauptstadtflughafen ist ein Klacks dagegen.

Aber eines weiß ich ganz sicher: Eines Tages werde ich sagen, dass dies eine der glücklichsten Zeiten in meinem Leben war. Ich wünsche mir, dass du eines Tages Geschwister hast, mein Sohn. Aber eine so innige Verbundenheit wie zwischen uns beiden wird es vielleicht nicht wieder geben können, denn dann muss ich meine Zeit noch viel mehr aufteilen. Und deshalb genieße ich die Abende im Moment ganz besonders, auch dann, wenn das Babyphone mich in meinen Aktivitäten unterbricht. Neulich sah ich ein kitschiges Internet-Meme, welches es ganz gut trifft: „Everything has changed, and yet I am more me than I have ever been.“ Ich danke dir dafür, mein Sohn ❤

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