Beikoststart: Eine Birne von Bedeutung

Gestern wurde der Babysohn sechs Monate alt und ich kaufte einen Bio-Broccoli. Diesen wollte ich heute dünsten und feierlich ein paar besonders schöne Röschen dem Baby anbieten. Meinem Bauchgefühl zufolge hat das Söhnchen die Beikostreife erreicht, und hätten wir nicht von Sonntag bis Dienstag Besuch gehabt, hätten wir wahrscheinlich schon am Wochenende mit Baby-led Weaning (BLW)* angefangen.

Irgendwie kam dann aber doch heute alles anders als geplant. Den Tripp Trapp zusammen zu bauen, während mein Sohn daneben auf der Krabbeldecke liegt und sich ganz zufrieden mit seinem Spielzeug beschäftigt, entpuppte sich schnell als Ding der Unmöglichkeit. Der Topf, auf den der Dünsteinsatz passt, war in der Spülmaschine, und am Vormittag war mir selbst auch so gar nicht nach Broccoli zumute (eins der Prinzipien von BLW ist ja, dass alle dasselbe essen, zumindest partiell, denn so ist der Reiz der Nachahmung für die Babies besonders hoch, und der Zubereitungsaufwand für den Koch idealerweise geringer).

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Schön, so eine Herbstbirne. Das fand auch der Babysohn!

Frustriert schob ich die Tripp Trapp-Trümmer-Bauteile beiseite, schnappte mir das Baby, und auf dem Weg ins Wohnzimmer fiel mein Blick auf diese leckere, leicht angeschrumpelte bräunliche Herbstbirne in der Obstschale. Zwei Minuten später saßen mein Söhnchen und ich also auf der Krabbeldecke (das Baby gut gestützt auf meinem Schoß, mit aufrechtem Rücken, damit es sich nicht verschluckt), die gewaschene, entkernte und in ca. 5 cm lange Spalten geschnittene Birne vor uns. Diese Länge ist ganz gut geeignet, denn kleine Babies in dem Alter greifen Dinge noch mit der ganzen Faust. An den Anteil des Lebensmittels, den sie in der Faust festhalten, kommen sie dann natürlich mit dem Mund nicht heran, also ist es hilfreich, das mit ein zu berechnen, damit oben aus der Faust auch noch etwas heraus ragt, an dem sich dann herumlutschen oder kauen lässt.

Und so geschah es: Der kleine Mann schnappte sich direkt ein Stückchen Birne und stellte allerhand interessante Untersuchungen damit an. Er zerdrückte einen Teil und schleckte sich den austretenden Saft von den Fingern, lutschte am anderen Ende des Birnenstücks, warf ein paar Stückchen durch die Gegend (ich fand vorhin noch eines in meiner Kapuze <3), biss etwas ab, um es schnell wieder auszuspucken, und war ganz und gar fasziniert und beschäftigt. Mit Essen hatte das zwar nicht viel zu tun, aber er verschluckte sich nicht, brach auch nicht in Tränen aus, und schien alles ganz spannend zu finden.

Später gelang es mir dann doch noch, den Hochstuhl zusammen zu bauen, so dass wir uns dann am frühen Nachmittag schließlich dem Broccoli widmen konnten. Dessen Röschen haben ja den Vorteil, dass der Griff in Form des Stiels gleich mitgeliefert wird. Mit Enthusiasmus stopfte sich das Söhnchen ein weiches Broccoli-Stück in den Mund und biss ab, und oh Schreck: plötzlich lag da etwas in seinem Mund und wollte weiter verarbeitet werden. Weil es so ein großes Stück war, musste er würgen und es kam ein bisschen Milch hoch. Ich habe mich etwas erschrocken, hatte aber ja vorher davon gelesen und habe nicht interveniert, denn es gehört ja zum Lernprozess dazu, zu erfahren, wie tief man sich Lebensmittel in den Mund steckt und wie viel auf einmal. Er hat dann auch noch sehr interessiert mit den Broccoli-Röschen gespielt, sie immer wieder in den Mund genommen, Stücke abgebissen und ein bisschen was sogar herunter geschluckt. Verschluckt hat er sich dabei erfreulicherweise gar nicht.

Jetzt gehört mein kleines Baby also zur Fraktion der Esser und ich bin ganz schön baff. Morgen zum Frühstück werde ich ihm etwas Salatgurke anbieten, denke ich. Ach und hier noch ein wichtiger Tipp: Immer vorher stillen (bzw. Fläschchen geben), denn satte Babies sind geduldiger, interessierter, konzentrationsfähiger und frustrationstoleranter, als hungrige Babies! Und um Nahrungsaufnahme im engeren Sinne geht es ja anfangs sowieso eher nicht, sondern einfach darum, einige Lebensmittel kennen zu lernen und zu erkunden. Genau damit werden wir morgen weiter machen – ich freue mich schon!


 

*Wer sich mit BLW noch nicht auskennt: Hier beantworte ich die wichtigsten Fragen dazu (Links zum Weiterlesen inklusive) und hier stelle ich unsere Startausrüstung vor.

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