37-Wochen-Schub: Und plötzlich ist überall Spielecke

Der Babysohn ist jetzt 8 Monate alt und seit einigen Tagen habe ich das Gefühl, ich habe ein anderes Kind. Er scheint sich mitten in einem gewaltigen Entwicklungsschub zu befinden, und nachdem ich ein bisschen nachgelesen habe, handelt es sich wohl um den „37-Wochen-Schub“. Dieser kann bereits ab der 33. Woche beginnen – wir sind jetzt in der 35. Zum Thema Schübe sei übrigens der Blog „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“ empfohlen, wo sehr ausführlich und fundiert geschildert wird, was in den verschiedenen Phasen passiert, welche neuen Entwicklungen das Baby durchmacht und wie wir ihm dabei helfen können.

Dieses Mal wird mir besonders klar, wieso es Entwicklungs“schub“ heißt. Die Entwicklung schreitet eben nicht gleichmäßig voran, sondern ganz plötzlich und mit Schwung lernt das Baby mehrere neue Dinge auf einmal. Dadurch ist es natürlich sehr gefordert und angestrengt, mal mehr und mal weniger. Den jetzigen Schub erlebe ich als ziemlich heftig, während die bisherigen oft beinahe unbemerkt vorbeizogen und man sich einfach über neue Entdeckungen und Fähigkeiten freute. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir über die Feiertage fast 14 Tage bei den Großeltern waren und das Söhnchen sich an das viele „Bespaßungspersonal“ gewöhnt hatte (und ich an die Unterstützung). Nun sind wir zurück, der Mann arbeitet und mein Kleiner macht plötzlich die folgenden Dinge:

  • Er möchte hoch auf den Schoß oder Arm, und zwar quasi IMMER, und das sagt und zeigt er auch SEHR deutlich. Allerdings bedeutet das nicht zwingend Zufriedenheit. Er möchte schließlich gleichzeitig auch die Welt entdecken. Beides auf einmal ist schwierig, also haben wir zwei Dauergäste, um es mit den Worten von „Das gewünschteste Wunschkind“ zu sagen: Herrn Ningel und Herrn Nörgel. Die zwei waren hier vorher nur selten zu Besuch, im Moment aber sind sie absolute Stammgäste.
  • Er möchte ALLES entdecken, und zwar SOFORT und natürlich mit Augen, Händen und Mund. Müllbeutel, Klobürsten, Steckdosen, Straßenschuhe, den alten Adventskranz, Kabel, Fernbedienungen, Telefone, Gläser, Messer (um nur einige geeignete Gegenstände aufzuzählen 😉 ). Man sieht die Wohnung plötzlich mit ganz anderen Augen, und zwar sowohl die Fußboden-Ebene, als auch die auf-dem-Schoß-Ebene.
  • Er möchte sehr oft stillen – das kenne ich von vorherigen Schüben und finde es unproblematisch, allerdings stillt er dann nur sehr kurz, weil seine Aufmerksamkeit sofort vom kleinsten Geräusch oder einem Gegenstand in seinem Blickfeld auf sich gezogen wird. Na gut. Also in 10 Minuten nochmal zwei Schlückchen und schonmal die Milchpumpe bereit halten für die möglicherweise anstehende Überproduktion…
  • Er kommt in den Vierfüßlerstand und geht vom robben ins krabbeln über. Manchmal katapultiert er sich dabei nach vorne wie ein Frosch und landet unsanft auf dem Gesicht. Aber er freut sich sichtlich über seine neuen Möglichkeiten!
  • Er hat viel mehr Freude an Interaktion: Er macht gerne „winke-winke“, schäkert ausgiebig mit seinem Spiegelbild (oder lutscht es ab oder verhaut es, je nach Laune), und gaaaanz toll ist „Wo ist denn das Baby?“ mithilfe eines Spucktuches: Er zieht sich das Tuch über das Gesicht, ich frage erstaunt, wo denn das Baby sei, und – zack – zieht er sich das Tuch runter und lacht sich kaputt über mein sehr erstauntes Gesicht: „Da ist ja das Baby!“ Dieses Spiel können wir SEHR ausdauernd spielen und er versteht auch die Version „Wo ist denn die Mama?“ und zieht dann mir das Tuch vom Gesicht! ❤
  • Er wehrt sich beim wickeln und anziehen. Nein, das trifft es nicht ganz, eher: Er rastet aus. Er schimpft, zetert, weint, tobt. Zumindest, wenn ich die notwendigen Prozeduren – wie vorher auch – einfach auf dem Wickeltisch in Angriff nehme. Anfangs war ich echt geschockt, denn ich habe immer darauf geachtet, dass er sich auf dem Wickeltisch wohl fühlt, habe gespielt, geschmust, massiert, gesungen und so weiter. Jetzt versuche ich, nur noch das allernötigste auf dem Wickeltisch zu machen, und nur dann, wenn die Stimmung gerade exzellent ist (nach dem Stillen, mit dem Lieblingsspielzeug). Ansonsten heißt es: Wickeln und anziehen mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad, nämlich auf dem Bauch spielend im Wohnzimmer, auf dem Arm, angelehnt sitzend oder auf einem Handtuch im Bett. So geht es meistens einigermaßen, manchmal aber leider ist einfach der Wurm drin und dann hilft es nur, blitzschnell zu sein. Übrigens erstreckt sich seine Abneigung gegen Körperpflege auch auf  Gesichtscreme, was doof ist, weil er momentan sehr trockene Haut hat. Dafür habe ich aber eine feine Lösung gefunden: Ich creme ihm das Gesicht unmittelbar vor dem Spaziergang ein, wenn er schon in der Trage sitzt, so kann er nicht weg. Dabei gucken wir in den Spiegel und finden alles wahnsinnig lustig, so geht es.
  • „Ämmaaaa – Ma – Ma -Mam – Mammm – Mamaaaa – Mama – MAMAAAA!“ Immer häufiger höre ich aus diesen Lautfolgen ziemlich deutlich „Mama“ heraus und natürlich platzt mein Mutterherz. Allerdings benutzt er diese Laute vor allem als Hilferuf zum Beispiel beim wickeln oder wenn er irgendetwas plötzlich unbedingt oder gar nicht möchte. Ich eile zur Hilfe, vorausgesetzt, ich kapiere, worum es ihm jetzt in dem Moment gerade geht…

All diese Entwicklungen haben vor 2-3 Tagen ziemlich plötzlich eingesetzt und verändern unser Zusammenleben mit Macht. Es ist ein neues Kennenlernen. War ich nach den ersten Monaten mittlerweile recht sicher darin, ihn zu verstehen und seine Wünsche und Äußerungen richtig zu deuten, stehe ich jetzt manchmal vor einem Rätsel. Was will er? Hoch und dann doch nicht? Runter? Nein, auch nicht. Ach so, das Telefon – hmmm… Ich bin mal gespannt, wann ich seine neuen Impulse besser verstehe – hoffentlich bald! Und natürlich muss ich nun auch lernen, Bedürfnisse NICHT zu erfüllen, was mir echt schwer fällt. Aber das Telefon ist nunmal leider kein geeignetes Spielzeug.

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Noch sind die Tupperdosen interessanter als die Kabel, aber so kann diese Ecke natürlich nicht bleiben.

Eines ist jedenfalls klar: Je weniger ich seine Freiheit einschränke, desto wohler fühlt er sich. Also setze ich ihn jetzt nicht mehr in die Wippe, wenn ich Frühstück mache, oder nehme ihn ins Tragetuch, sondern ich lege ihn in der Küche auf den Boden und lasse ihn auf Erkundungstour gehen. Das liebt er! Und binnen weniger Minuten sind Schwachstellen der Einrichtung offenbart, an deren Sicherheit man arbeiten muss…

Weil Alltagsgegenstände gerade für ihn viel spannender sind als jedwedes Spielzeug, habe ich angefangen, auf seiner Höhe Gegenstände zu lagern, die er ausräumen und erkunden kann: Tupperdosen, Holzlöffel, DVD-Hüllen, unzerbrechliche kleine Töpfe und Schüsseln, Lätzchen und Tischwäsche, Handtücher, usw. usw. So kann er zum Beispiel die Ablage unter unserem Couchtisch ausräumen, ohne sich weh zu tun, Unmengen an Papier zu essen oder schöne Bücher zu ruinieren.

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Das Putzzeug muss auch dringend außerhalb der Baby-Reichweite gelagert werden, sonst droht Vergiftungsgefahr.

Natürlich muss man auch unempfindlicher werden: Ich versuche, die Wohnung sauber zu halten, aber jetzt, wo der Babysohn plötzlich überall auf dem Boden unterwegs ist, muss ich mich manchmal echt zwingen, ihn machen zu lassen, auch wenn in der Küche ein paar Krümel liegen oder im Bad ein paar Haare. Und letztendlich ist wichtiger als ein bisschen Dreck im Magen oder eine kleine Schramme auf der Nase, dass der Babysohn seine Umwelt erkunden und kennenlernen kann. Wie heißt es bei „Das gewünschteste Wunschkind“ (gerade echt mein Lieblings-Blog) so schön: „Alles, was nicht lebensgefährlich ist oder kaputt gehen kann, sollten unsere Kinder anfassen dürfen, um unsere Welt im wahrsten Sinne des Wortes „erfassen“ zu können.“

Die Leserinnen, deren Kinder schon größer sind, werden sicher bestätigen können, dass die zunehmende Mobilität eine wahnsinnig spannende Phase ist und für uns Mütter bedeutet sie auch: Ein erstes kleines Loslassen! So lernt nicht nur der Babysohn, sondern lerne auch ich in diesen Tagen eine ganze Menge, und das ist auch gut so. ❤

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