Keine Lust auf Babykurse

Ich muss was beichten und traue mich kaum, es zu gestehen. Aber ich habe keine Lust auf Babykurse!

Geht’s nur mir so? Der Babysohn ist jetzt knapp drei Monate alt. Um mich herum sind schon alle voll im Thema: Pekip, Fenkid, Babyschwimmen, Babymassage, Baby-Yoga, Baby-Dingsbumms. Naja wobei jetzt spotte ich schon wieder. Dabei sind diese Kurse bestimmt gut und schön für viele Mütter und Babies! Aber für alle? Also: Muss ich?!

Ein Erklärungsversuch: In den ersten zwei Monaten nach der Geburt war der Mann mit uns zuhause und hat sich wunderbarerweise mindestens so intensiv um den Kleinen gekümmert, wie ich. Das war für mich eine große Entlastung nach meinem ungeplanten Kaiserschnitt und während einer seelisch nicht ganz einfachen Wochenbett-Zeit. Eine ganze Weile habe ich gehadert, habe mich manchmal als schlechte Mutter gefühlt und sogar geschämt. Ich war unsicher im Umgang mit dem Söhnchen (so wie es wahrscheinlich den meisten Neu-Eltern geht, möchte ich im Nachhinein sagen). Seit der Mann aber wieder arbeiten geht (tatsächlich sind es noch keine vier Wochen, es kommt mir viel länger vor), bin ich tagsüber auf mich alleine gestellt und sofort bekam die Bindung zwischen dem Babysohn und mir einen riesigen Schub. Wir entwickeln eine enge, besondere und wunderbare Beziehung, die ich sehr genieße. Alles erscheint mir noch so neu, jeden Tag kommen Veränderungen hinzu. Ich fühle mich sicherer, kompetenter. Auch wenn viele Tage anstrengend sind und ich oft den Mann vermisse, genieße ich die Zeit jetzt sehr.

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Wir lassen es ruhig angehen, der Sohn und ich ❤

Babykurse? Ich muss mich wiederholen: Keine Lust! Das scheint irgendwie verpönt zu sein, unter Großstadtmüttern meines Alters, die so früh wie möglich die tollste Förderung für ihr Kind wollen und außerdem schnell wieder „unter Leute“: Mein Gefühl ist aber, dass das Söhnchen und ich noch ein bisschen Zweisamkeit brauchen. Meine Antennen sind viel schärfer eingestellt, wenn wir allein sind. Sind wir „unter Leuten“, habe ich ganz schnell das Gefühl, weder dem Baby, noch den anderen Menschen gerecht werden zu können. Es stresst mich sogar, und was mich stresst, stresst leider sofort auch den Babysohn.

Keine Sorge, liebe Leserin, wir igeln uns hier nicht total ein. Wir treffen ab und an Freundinnen und Freunde, gehen täglich spazieren, tauschen uns mit anderen jungen Eltern aus. Mit der Zeit werden wir bestimmt auch (wieder) abenteuerlustiger und sozialverträglicher werden. Aber am wohlsten fühlen wir uns aktuell tatsächlich an Tagen ohne „Termine“, ohne „Programm“; an Tagen, die voll und ganz dem Rhythmus von diesem wundersamen neuen Menschen folgen, der hier eingezogen ist. Und solange der nicht von sich aus Anstalten macht, dringend zum Pekip zu wollen, mache ich mir erstmal zur Abwechslung – keinen Stress!

6 Gedanken zu “Keine Lust auf Babykurse

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Mich hat dieses ganze Babygedingsbumse auch ziemlich genervt. Also habe ich es nicht gemacht. Meine Tochter ist, obwohl ich sehr viel Zeit mit ihr allein verbringe, motorisch wirklich sehr weit, fremdelt nicht und ist sehr sozial. Außerdem liebt sie Wasser. Und ich War weder beim babyschwimmen noch sonst irgendwo. Jetzt ist sie 7 Monate alt und ich merke, sie braucht mehr Action, also geht’s jetzt bald zum pekip und zur krabbelgruppe. Aber die zeit alleine mit meiner Maus werde ich weiterhin sehr genießen. Viel Spaß weiterhin mit deinem kleinen Mann.

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  2. Also ich finde das jetzt nicht schlimm, eher verständlich. Mit 3 Monaten sind sie ja auch noch mega winzig. Und wenn dein Partner erst seit 4 Wochen wieder arbeitet, dann ist das auch für dich noch alles neu. In meinen Augen sind viele dieser Kurse nämlich eher sinnvoll für die Mamas als für die Babys.
    Ich habe wirklich schon oft von Mamas erzählt bekommen, dass sie ganz schnell wieder in den Job zurück wollten, weil sie sich daheim nur noch als Mama gefühlt haben. Mir ging das nicht so. Ich habe Gott sei Dank damals einen tollen Stillkurs gefunden, wo es nicht nur ums Stillen ging, sondern wo die Leiterin viele Themen mal angeschnitten hat wie zb windelfrei, brei-frei/ Baby-led-weaning, Babyzeichensprache, Attachment Parenting, Kinästhetic infant handling usw. Das hat mir viel Input gebracht und gleichzeitig habe ich dort viele gleichgesinnte Mamas kennengelernt zu denen ich selbst heute, 4,5 Jahre später und trotz eines Umzuges von 800km noch Kontakt habe.
    Aber so ging es mir nicht mit allen Kursen. Den Babymassage-Kurs würde ich rückwirkend vllt sein lassen, da die Leiterin irgendwie nicht so meins war. Bei meiner Kleinen habe ich einfach das Buch von Leboyer genutzt. Genauso bei der Babyzeichensprache. Auch beim „Spielraum“ und einem Rückbildungs-Yoga mit Kind hat die Chemie zur Leiterin nicht gestimmt und wenn so jemand nicht kompetent und herzlich auf mich wirkt, dann wars das für mich schon fast. Und „Fit mit Baby“ habe ich gemacht, worauf ich auch hätte verzichten würde, denn das Verhalten der anderen Mamis wirkte sehr lieblos. Die haben dort ihre 45 Minuten Sport durchgezogen, egal ob ihr Kind die ganze Zeit schlief oder weinte. Dass ich meinen Sohn regelmäßig stillte und deswegen immer wieder pausierte, schien für sie sehr unverständlich. Babyschwimmen wird aufgrund des Chlors ohnehin nicht vorm ersten Geburtstag empfohlen, weswegen wir das gar nicht probiert haben.
    Es kommt also immer aufs Gesamtbild an. Nordic-Kanga haben wir gern gemacht, die Kleine im Tuch und der Große aufm Laufrad nebenher. Und unsere Spielgruppe lieben wir alle 3 heiß und innig.
    Lass es ruhig langsam angehen und wenn du das Gefühl hast, dass du wieder mehr unter Menschen musst oder dein Kind, dann ist immer noch Zeit, sich was zu suchen. Das Angebot ist wirklich breit gefächert, sodass sich auch für euch das richtige findet, wenns erstmal soweit ist. Und bis dahin genießt einfach eure Zeit nur für euch, sie geht ohnehin viel zu schnell vorbei. Und nie wieder wird man so viel intensive Zeit haben können, wie mit dem ersten Kind ❤

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    1. Danke für deinen ausführlichen Bericht, Melli! Das bestärkt mich darin, es ruhig angehen zu lassen und meinem Bauchgefühl zu folgen, wie schön 🙂
      Dein Stillkurs klingt allerdings toll, wow, auf sowas hätte ich natürlich auch Lust! Vielleicht stöbere ich irgendwann nochmal ein bisschen, was es so gibt, hier in München. Kangatraining könnte ich mir auch in absehbarer Zeit vorstellen..

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  3. Ein riesiges Lob an dich zuallererst – ich bin vor 2 Stunden auf deinen Blog gestoßen und hab mich sofort festgelesen. Mit so vielem sprichst du mir, Mama eines 4 Monate alten Jungen, aus der Seele.
    Auch bei diesem Thema… mein Freund und ich hatten versucht, an einem kombinierten Babymassage- und Rückbildungskurs teilzunehmen, weil uns das praktisch erschien und man das ja so macht, als Neu-Eltern. Was soll ich sagen? Es blieb bei der ersten Stunde und wir fanden es grässlich. Unserem Sohn war es zu kalt und nachdem er seinen Papa vollgepillert hat, hat er nur geschrien… die Kursleiterin hat ihre lustigen Lieder einfach lauter weitergeträllert, ohne auf die insgesamt 3 von 6 schreienden Babys einzugehen. Mein Teil war nun auch nicht so prall, dass ich ihn ohne die 2 weiterbesuchen wollte. Und so haben wir den Kurs gestrichen und gehen in der Zeit einfach entspannt zu dritt spazieren 🙂
    Sowieso fand ich den Termin belastend, man muss so viel Zeit einplanen und wer hat schon was davon? Mit den anderen Müttern muss es ja auch passen und das tat es nicht so richtig und meinem Freund hat der Austausch mit den anderen Papas in den ersten 5 Min. zwar gefallen, aber wurde auch schnell von der Kursleiterin unterbunden.
    Ich bin da also ganz bei dir, wie man so schön sagt 😉

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