Von Vätern und Söhnchen (und irgendwie auch Müttern)

Die Kuckucks sind seit Samstag im Urlaub. Heute war also der sechste Tag, an dem Babysohn und Vater von morgens bis abends zusammen sind. Zuhause ist das anders, denn dort arbeitet der Mann (mindestens) 40 Stunden pro Woche, während ich in Elternzeit beim Söhnchen bin. Während sein Vater dem Babysohn in seinen ersten zwei Lebensmonaten (in denen er ebenfalls Elternzeit hatte) ein mindestens ebenso wichtiger Ansprechpartner war, wie ich, hat sich die Bindung zu mir deutlich intensiviert, seit der Mann wieder arbeitet und das Söhnchen und ich einen Großteil unserer Zeit zu zweit miteinander verbringen.

Damit einhergeht, dass nun für jede Situation, in der Trost, Ruhe, oder Geborgenheit benötigt wird (und derer sind es naturgemäß viele bei einem so kleinen Baby), ich die Alleinbeauftragte bin. Vorbei die Zeiten, in denen der Winzling bei Unruhe gerne von seinem Vater umher getragen wurde und auf dessen Schulter einschlief. Zwar lässt er sich immer noch gerne von seinem Vater durch die Wohnung tragen, aber nur bei guter Laune. Auch begrüßt er den Mann abends wie morgens mit einem strahlenden Lächeln, freut sich sichtlich, schäkert und erzählt. Aber wenn er müde wird oder ihn sonstige Babysorgen beschäftigen, gibt es nur ein Hilfsmittel: Mama.

Dementsprechend frustriert war – verständlicherweise – der Mann, dessen stabil geglaubte Bindung der ersten zwei Monate zu seinem Erstgeborenen ihm zusehends flöten ging, so zumindest fühlte es sich an. Natürlich freute er sich, zu sehen, dass es so gut läuft zwischen dem Babysohn und mir. Aber dennoch war es etwas traurig, festzustellen, dass er nun in vielen Situationen einfach nicht mehr gefragt war.

Also sahen wir dem Urlaub gespannt entgegen, insbesondere ich, die ich gerne dem Mann beweisen wollte, dass es alles nur eine Frage der Zeit ist, die man mit dem Baby verbringt. Sind wir alle drei wieder den ganzen Tag zusammen, so war ich mir sicher, würde sich ganz schnell wieder die Vertrautheit der ersten acht Wochen zwischen den beiden einstellen.

Und tatsächlich gab es schnell erste kleine „Erfolge“: Autofahrten, bei denen der Mann hinten saß und die beiden einander intensiv anhimmelten, bis mindestens das Söhnchen einschlief (zeitweise auch beide). Gemeinsames Spielen auf der Krabbeldecke mit viel Gekicher und Gebrabbel. Spaziergänge zu dritt, bei denen der Mann seinen Sohn in der Tragehilfe trug und letzterer nach wenigen Minuten entspannt einschlief. Und sogar gelang es dem Mann zweimal, den aus dem Mittagsschlaf bzw. abends erwachten Babysohn wieder zu beruhigen und zurück in den Schlaf zu wiegen. Alle drei waren und sind wir so froh darüber!

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Babysohn und ich ❤

Und doch zeigt sich täglich, dass offenbar die Beziehung zur Mutter, ihre Nähe und ihr Schutz, für ein Baby fast unentbehrlich sind. Naturgemäß ist allein schon das Stillen nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern ein Ritual der Nähe, Geborgenheit und ganz häufig auch Einschlafhilfe. Da wir mit unserem Baby bedürfnisorientiert umgehen, darf er sich diese Nähe holen, wann immer er will, ohne dass auf die Uhr geschaut würde. Aber auch unabhängig vom Stillen hat sich eine Vertrautheit zwischen dem Söhnchen und mir eingestellt, die mit Worten kaum zu beschreiben ist. Wer keine Kinder hat, kann diese Nähe wohl niemals voll und ganz nachvollziehen, und mir ging es da vor der Geburt des Babysohns nicht anders. Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie abhängig dieser kleine Mensch von mir ist, körperlich wie seelisch. Er ist mein erstes Kind, und so muss ich natürlich auch erst lernen, was es bedeutet, eine Mutter zu sein.

Deshalb unterlief mir auch heute der Fehler, zu denken, ich könne Vater und Sohn mit der Tragehilfe für ein Stündchen spazieren schicken, während ich dusche und in Ruhe ein wenig blogge. Die Tragehilfe ist dem Söhnchen bestens vertraut, denn aktuell ist sie täglich im Einsatz. Auch schickte ich natürlich einen ausgesprochen satten, frisch gewickelten und quietschfidel mit seinem Vater schäkernden Babysohn auf den Spaziergang. Vergnügt zogen die beiden Männer los und ich sank auf die Couch, um ein bisschen zu daddeln. Etwas später ging ich duschen.

Gerade als ich aus der Dusche stieg und nach dem Handtuch griff, hörte ich die Wohnungstür und den Mann, der nach mir rief. Viel früher als vereinbart waren die beiden zurück, der Große schweißgebadet, der Kleine ganz verweint. Wie sich herausstellte, hatte der Babysohn nach einer Viertelstunde angefangen zu weinen und war nicht zu trösten oder zu beruhigen. Der Mann kehrte um, holte ihn aus der Trage und nahm ihn auf den Arm, aber auch das half nicht, ebenso wenig wie gutes Zureden oder der Schnulli. Erst mit Betreten des Hauses und sobald ich in Sicht war, hörte das Weinen schlagartig auf.

So eine Situation hatte es vorher noch nie gegeben, sonst wären wir natürlich nicht auf die Idee gekommen, dass die beiden ohne mich spazieren gehen. Woran es genau lag, was genau das Problem war, können wir nicht wissen. Aber für beide war es mit Sicherheit fürchterlich, keinen Ausweg zu finden. Also haben wir wieder etwas gelernt: Ich komme besser mit.

Die beiden Männer haben es einander zum Glück nicht krumm genommen und verstehen sich weiterhin prächtig. Solange ich in Reichweite bin, steht also viel gemeinsamer und schöner Vater-Sohn-Zeit in diesem Urlaub nichts im Wege.

2 Gedanken zu “Von Vätern und Söhnchen (und irgendwie auch Müttern)

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